Elmar Kraus

Nach dem ersten Shooting

Wilhelmine hat soeben ihr erstes Shooting erfolgreich absolviert. Der Fotograf war ok, die Bilder sind besser als ihre Handyfotos und sie ist guter Hoffnung, mehr Likes zu bekommen. Aber was am besten ist, der Fotograf hatte unheimlich viel Zeit und sendete ihr die Bilder schon nach zwei Tagen zu, fertig bearbeitet. Zwar durfte sie nicht mit auswählen, aber egal, hauptsache Bilder!

Doch was ist jetzt mit den beiden anderen Shootingterminen?

Sie hatte ja den Fotografen schon zugesagt….. oh je…. doch wer jetzt denkt, für Wilhelmine wäre das ein Problem, der liegt komplett falsch. Da sie ja weder mit den Fotografen telefoniert hatte, sie persönlich kannte oder sonst wie verpflichtet war, sagt sie einfach ab. Das Shooting mit dem zweiten Fotografen ist zwar schon heute, aber egal. „Den kenne ich ja nur von Facebook!“ denkt sie. Gedacht getan, sie schreibt den zweiten Fotografen an und erzählt ihm eine haarsträubende Geschichte, warum sie nicht zum Shooting kommen kann.

Der Fotograf ist nicht sonderlich begeistert, lässt sich aber nichts anmerken. „Alles nochmal gut gegangen! Wie gut, dass ich ein junges Mädel bin“. Ihr ahnt schon, wie es weiter geht. Genau das, was sie mit dem einen Fotografen gemacht hat macht sie auch mit dem anderen. Einfach absagen, Gründe lassen sich ja erfinden. Ok, zwischendurch hat auch mal wieder jemand Glück und „darf“ von ihr Bilder machen.

Wilhelmine hat ihr Ziel erreicht, sie hat Bilder, sie bekommt Likes ohne Ende, sogar mehr als ihre Freundin. Ihr Ego ist gestärkt, sie ist noch etwas wert, sie bekommt Likes. Jetzt könnte sie sich ja noch einen Instagram Account zulegen……..

Ihr könnt euch sicher denken, worauf ich hinaus will!

Dass ich ausgerechnet Wilhelmine als Beispiel genommen habe, möge sie mir verzeihen, sofern es sie wirklich gibt. Es ist natürlich eine fiktives Beispiel gewesen.
Erschreckend ist, wie ich finde, dass durch die Art wie kommuniziert wird, keine Verpflichtung mehr besteht Termine einzuhalten. Denn dadurch, dass man nur virtuell kommuniziert, sein gegenüber nicht persönlich kennt, seine Stimme nicht kennt, ist es weitgehend anonym.
Durch diese Anonymität geschützt, denn das Model muss ja nicht Gefahr laufen, dem Fotografen im wahren Leben zu begegnen, ist es sehr leicht einfach einen Termin nicht wahr zu nehmen.

Andersherum gilt das natürlich auch, wobei die Gefahr für den Fotografen wesentlich größer ist überhaupt keine TfP Shootings mehr machen zu können. Denn alle haben sicher schon von den geheimnisvollen Model Gruppen gehört, in denen über die Fotografen berichtet wird…..

Wie gehe ich damit um?

Ich selber versuche möglichst meine Termine einzuhalten, auch wenn ich nur über PN kommuniziere. Allerdings bin ich auch in einer anderen Zeit aufgewachsen, dort musste man seine Termine einhalten, denn kurzfristig absagen war fast nicht möglich, weil derjenige nicht zu erreichen war. Freuen würde ich mich darüber, wenn man einfach mal wieder zum Telefonhörer greift und Dinge bespricht. Das hat den ganz großen Vorteil, dass man schnell merkt, ob das Gegenüber eine sympathische Stimme hat oder nicht. Man kann in einem Telefongespräch wesentlich mehr erzählen, als in allen WhatsApp- oder Messengernachrichten schreiben könnte. Probiert es doch mal aus.

Sollte es vorkommen, dass mir ein Model absagt, so bekommt es grundsätzlich eine zweite Chance. Denn es kann ja wirklich mal sein, dass etwas Wichtiges dazwischen gekommen ist. Merke ich jedoch im Verlauf der Nachrichten, dass das Model kein Interesse mehr an einem Shooting hat, dann ist auch für mich meistens die Sache erledigt.

Das verlorengegangene Interesse kann übrigens wie oben im Beispiel geschrieben an der Masse der Fotografen liegen, die das Model zur Auswahl hat. Da kommt es nicht unbedingt drauf an, alle Termine einzuhalten. Und selbst wenn es in Fotografenkreisen bekannt wird, dass das Model unzuverlässig ist, wird es immer wieder Fotografen geben, die halt doch mit dem Model shooten.

Was lernen wir daraus?

Egal wie man es macht, schwarze Schafe gibt es immer, leider auf beiden Seiten. Sollte einer von euch eine Idee haben, wie man mehr Verpflichtung in die Termine reinbekommt, der kann gerne einen Kommentar dalassen.

2 Kommentare

  1. Marion P.

    Vielleicht sollte man diese Termine immer am Telefon bestätigen. Ein Telefonkontakt ist, wie Du so treffend geschrieben hast, ein persönlicher Kontakt und stellt vielleicht etwas mehr Verbindlichkeit her.

    Antworten
    • Elmar Kraus

      Hallo Marion,
      vielen Dank für deine Anmerkung. Ja ein telefonischer Kontakt ist sicher ein gangbarer Weg. Ich werde das mal beobachten und berichten ob es so besser mit der Verbindlichkeit klappt.

      Antworten

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